HYSTER: In Zukunft alles elektrisch?

Seit über 20 Jahren fertigt Hyster Elektrostapler im nordirischen Werk Craigavon. Anlass genug, die künftigen Einsatzmöglichkeiten und Antriebsoptionen von batteriebetriebenen Staplern genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein Gespräch mit Russell Baker, Territory Manager, UK & Ireland bei Hyster Europe.

Seit wann bilden batteriebetriebene Stapler einen Schwerpunkt bei Hyster Europe?

Baker: Mit der Einführung von Elektrostaplern der Serien XN und XNT im Jahr 2008 hat Hyster seine Position als Anbieter von emissionsfreien Staplern mit reduziertem Energieverbrauch, geringem Wartungsbedarf und niedrigen Betriebskosten untermauert. In unserem nordirischen Werk in Craigavon werden seit über 20 Jahren alle Hyster® Elektrogegengewichtsstapler von 1,3- bis 3,5-Tonnen produziert. Zuvor fand die europäische Elektrostaplerproduktion im schottischen Irvine statt.

Heute stellen wir jedes Jahr Tausende Stapler in unserem Werk in Nordirland her. Ein großer Teil davon wird über Hyster® Händler an Kunden in Europa, Russland, Afrika und im Nahen Osten geliefert. Wir bieten leistungsstarke und robuste Elektrostapler mit hohen Tragfähigkeiten ebenso an wie kompakte 3-Rad-Stapler, die mit optimalen Energieeffizienzwerten überzeugen.

Sind Elektrostapler das Mittel der Wahl, auch für Außenanwendungen?

Baker: Welcher Stapler der geeignetste ist, hängt immer vom geplanten Einsatzzweck ab. Denn die Wahl des richtigen Staplers kann sich wesentlich auf die Gesamtbetriebsleistung und die Kosten auswirken. In manchen Fällen erweist sich ein Stapler mit Verbrennungsmotor möglicherweise als geeigneter.

Dennoch beobachten wir, dass einige Unternehmen auf Elektrostapler umsteigen. Unter den richtigen Bedingungen bieten sie einfach eine bessere Effizienz, insbesondere im Hinblick auf die Batterieleistung und die damit verbundenen niedrigeren Betriebs- und Wartungskosten. Da Elektrostapler emissionsfrei arbeiten, werden sie auch von Unternehmen eingesetzt, die ihren Betrieb umweltfreundlicher gestalten möchten.

In der Vergangenheit wurden Elektrostapler eher im Innenbereich und bei leichten Anwendungen eingesetzt. Heute sind Elektrostapler der Hyster® J-Serie mit Tragfähigkeiten von bis zu 5,5 Tonnen dagegen immer öfter im Außeneinsatz zu finden, wobei sie die gleichen anspruchsvollen Aufgaben wie Stapler mit Verbrennungsmotor verrichten. Sie kommen sogar in schwierigen Betriebsumgebungen zum Einsatz, beispielsweise in Gießereien, Recyclingzentren und in der Baubranche.

Wann sollte man sich für einen Elektrostapler entscheiden?

Baker: Das hängt von vielen Faktoren ab. Wir arbeiten eng mit unseren Händlern und Kunden zusammen, um die besten Lösungen für unterschiedliche Anforderungen zu finden. Grundsätzlich gelten Elektrostapler mit Bleisäurebatterien häufig noch immer als die beste Wahl für den Innenbereich.

Bei geschäftigen Logistikanwendungen profitieren Betriebe beispielsweise von einer Effizienz und Leistung, die mit Treibgas- bzw. Dieselalternativen vergleichbar sind. Gleichzeitig ist es möglich, bereits durch den Einsatz eines einzelnen Elektrostaplers die Betriebskosten zu reduzieren. Dies trifft unter anderem auf Anwendungen im Mehrschichtbetrieb zu, wo die Batterien der Stapler ganz einfach und ohne regelmäßiges Zwischenladen zwischen den Schichten gewechselt werden können.

Beim Einsatz von Bleisäurebatterien benötigen die Firmen Platz für einen Ladebereich. Und um Stillstandzeiten zu vermeiden, müssen genaue Ladeprozesse für die Batterien definiert werden, damit der Betrieb zuverlässig läuft. Zudem ist ein Plan für wöchentliche Wartungen und Ausgleichsladungen erforderlich.

Sind Lithium-Ionen-Batterien von Vorteil?

Baker: Lithium-Ionen-Batterien werden als Antriebsoption für Hyster® Elektrostapler immer beliebter. Beispielsweise in der Lebensmittelindustrie, wo die Stapler meist im Innenbereich eingesetzt werden und es besonders wichtig ist, Verunreinigungen zu reduzieren. Lithium-Ionen-Batterien enthalten keine Säure, die auslaufen könnte, und sie erzeugen keine Dämpfe. Bleisäurebatterien hingegen können Wasserstoff und andere Gase freisetzen, die in den Reinraumbereichen für die Lebensmittelherstellung und -lagerung unerwünscht sind.

Lithium-Ionen-Batterien sind im Gegensatz zu Bleisäurebatterien wartungsarm und können während geplanter Unterbrechungen z. B. in Mittagspausen zwischengeladen werden. Dieser „Nachlade“-Ansatz vereinfacht die Betriebsabläufe, da statt zwei Batterien nur eine benötigt wird. Zudem sind Lithium-Ionen-Batterien bei richtiger Anwendung oft kostengünstiger und senken nach nur wenigen Jahren die Gesamtbatteriekosten.

Wird es künftig auch Elektrostapler von Hyster für schwere Lasten mit hoher Tragkraft geben?

Baker: Elektrostapler im niedrigen Tragfähigkeitsbereich bleiben ein zentraler Bestandteil unseres Produktangebots. Im Schwerlastbereich tut sich gerade einiges am Markt. Hier setzt Hyster mit seiner Technologie bei größeren Staplern neue Maßstäbe. Aktuell laufen zwei Pilotprojekte in den Häfen von Los Angeles (USA) und Valencia (Spanien), wo wir die Entwicklung von Elektro-Containerstaplern und einem Reachstacker vorantreiben. Diese emissionsfreien Stapler verfügen über Elektromotoren, die hauptsächlich von Hochspannungsbatterien versorgt werden.

In Tests zeigten die neu entwickelten Stapler eine vergleichbare Leistung wie entsprechende Hyster® Modelle mit Verbrennungsmotor. Damit versprechen sie bei entsprechender Anpassung an die Anforderungen eine hohe Energieeffizienz und niedrige Betriebskosten. Die in Entwicklung befindlichen Stapler sind außerdem mit den patentierten Hyster® Energierückgewinnungssystemen ausgestattet, welche die beim Absenken von Lasten sowie beim Bremsen freigesetzte Energie speichern. Dies ermöglicht einen längeren Betrieb zwischen den Ladevorgängen, wodurch sich auch die Energiekosten insgesamt verringern lassen.

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