Schon wieder Digitalisierung

„Deutsche sehen Digitalisierung positiv“

So steht es in meiner Tageszeitung. Angeblich sehen 75 Prozent der Deutschen die Digitalisierung als Vorteil für unser Land, hat das Handelsblatt in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden. 84 Prozent finden es wichtig, dass Deutschland eine Spitzenposition auf diesem Gebiet einnimmt.

Stellt man mir die Frage, wie ich den digitalen Galopp über alle analogen, humanen und sozialen Hürden hinweg bewerte, entsteht irgendwie ein Sprachloch. Warum? Weil ich zu viele Dinge sehe, die ich an dieser Stelle einfach zur Diskussion stelle.

Industrie und Logistik 4.0, Clouds als Zentren, Rechner als Chefs, autonome Fahrzeuge, Drohnen, Automaten, Roboter, totale Überwachung… Die Maschinen erledigen für uns die Arbeit.

Wir schreiben das Jahr 2020.

Auf unseren Autobahnen sind kaum noch Staus. Die LKW fahren autonom und der PKW-Verkehr wird über Chips in den Fahrzeugen geregelt – Strecke, Abfahrt und Geschwindigkeit werden vorgegeben. Das schränkt zwar den freien Willen der Fahrer ein, aber wer hat denn gesagt, dass eine digitale Zukunft den Menschen freier macht? Apropos frei: Wer in seiner Pause auf der Toilette raucht oder diese überzieht, kann sich nicht mehr rausreden. Allerdings: Maschinen brauchen eh keine Pausen.

Die arbeitslosen LKW-Fahrer suchen ihr Heil in der Personenbeförderung oder in der Logistik. Doch auch hier ist der Homo Sapiens keine Wahl mehr. In den Städten fahren die Taxis autonom und unentgeltlich. Dafür müssen die Passagiere Zugang zu Ihren Smartphones gewähren, damit sie während der Fahrt mit passender Werbung über LED-Monitore bombardiert werden können. Die Logistik ist längst FTSlisiert, heißt, die meisten Flurförderzeuge werden online und ohne Fahrer geführt; Transport und Kommissionierung erfolgt ohne Menschen. Der Paketdienst hängt ebenfalls zu einem größten Teil am Tropf der Zustellcloud. Autonome Transporter und Drohnen bringen die Pakete. Der tägliche private Einkauf wird von den meisten – ausgenommen ein paar Unbelehrbare – digital abgewickelt und personenlos geliefert. In den Arztpraxen sind die netten Arzthelferinnen weg, getauscht gegen Automaten. Die sagen einem zwar nach Einlesen der Versicherungskarte was Sache ist, ein persönliches Gespräch entfällt. Zwischenmenschliches Geplänkel ist kein Bestandteil der digitalen Welt.

Was machen die ganzen Menschen, deren Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt werden? Ich weiß es nicht. Und es soll niemand glauben, dass die Arbeitsplatzvernichtung nur gewerblich Tätige trifft. Roboter operieren präziser, Klassenzimmer werden vernetzt, Computer buchen fehlerfrei, planen präziser und konstruieren bedarfsgerecht. Ob die auch schreiben können?

Wenn es soweit ist, sitze ich auf meinem Plüschsofa und lasse mir von meinem Hausrobot Wein bringen, der aus eine komplett menschfreien Winzergesellschaft stammt und irgendwie anders schmeckt. Ein Wein ohne Seele, wie die Gesellschaft, die auf dem Weg ist, das Wichtigste zu vergessen – sich selbst.

Ihr total gespannter
Manfred Suthues

ms-portrait

PS: Dies hier ist übrigens mein digitales Netzwerk mit 3.500 Besuchern im Monat. Falls jemand eine Fachredaktion für die Branchen Flurförderzeuge oder Baumaschinen sucht, um sich und seine Produkte besser anlog (Printmedien) und digital bundesweit zu präsentieren – wir machen das gerne. Ach ja – Werben kann man hier auch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie die Aufgabe: *